Ostern war für mich als Kind eines meiner liebsten Feste im Jahr. Nicht nur wegen der Geschenke und der Osternest-Suche, sondern vor allem wegen der Osterjause, der ländlichen Bräuche und der gemeinsamen Zeit mit meiner Familie. Väterlicherseits stammt meine Verwandtschaft aus Kärnten und so durfte ich über viele Jahre hinweg gelebte Tradition miterleben – vom Holen des Osterfeuers über die Fleischweihe bis hin zum Backen von Germteig-Gebäck wie dem Festtagsstriezel oder dem Kärntner Reindling.
Und auch wenn ich heute kein Kind mehr bin und sich meine Einstellung zu Themen wie Fleisch, Weißmehl und Ernährung im Allgemeinen verändert hat, blicke ich unheimlich gerne auf diese Zeit zurück.
Mit meinen Rezepten möchte ich genau an dieses Gefühl erinnern – an den Duft von frischem Germteig, an Tradition und an diese besonderen Momente, neu gedacht durch vollwertiges und bewusstes Backen
Zwischen Tradition, Brauchtum und Genuss
Ob Striezel, Osterpinze, Kärntner Reindling oder Brioche – diese feinen Germteig-Gebäcke sind aus österreichischen Haushalten rund um die Osterfeiertage kaum wegzudenken und gehören genauso zur Osterjause wie bunt gefärbte Ostereier. Dabei handelt es sich keineswegs um einen neuen Trend, denn der Ursprung dieser Mehlspeisen reicht bis weit in die Vergangenheit zurück. Bereits im 12. Jahrhundert wurde das Backen und Verzehren von süßem Hefegebäck im kirchlichen Kontext erwähnt. Nach der langen Fastenzeit symbolisierten diese reichhaltigen, oft mit Eiern und Butter verfeinerten Germteig-Gebäcke den Übergang zum Osterfest als Zeichen für Genuss, Neubeginn und das Ende des Verzichts (vgl. Teuteberg 2008, vgl. GoodMills Innovation 2024).
Diese Tradition ist vielerorts bis heute erhalten geblieben und wird über die Generationen hinweg weitergegeben. Trotz veränderten Zutaten, moderneren Zubereitungsweisen sowie unterschiedlichen regionalen Ausprägungen steht sie weiterhin für Gemeinschaft, gelebtes Brauchtum und bewussten Genuss rund um das Osterfest.
Kärnter Reindling - ein Muss für eine gelungene Osterjause
In meiner Familie wurde traditionell immer am Vormittag des Karsamstags Reindling (in Unterkärnten auch Pohača genannt (vgl. Kärnten Werbung 2026) gebacken, damit er nach der Fleischweihe zur kalten Jause frisch und herrlich duftend aufgetischt werden konnte. Die ganze Küche war dann erfüllt von einem süßen Duft – einer Mischung aus karamellisiertem Zucker, gerösteten Nüssen und Rumrosinen.
Ursprünglich wurde der Reindling in einer Rein, also in einem Topf, gebacken, wodurch er auch seinen Namen erhielt (vgl. Bauernladen 2026). Heutzutage wird das Germgebäck meist in einer Gugelhupfform gebacken.
Während der Kärntner Reindling in vielen Rezepten ausschließlich mit Butter, Rosinen und Zimt gefüllt ist, wurden in meiner Familie oft zusätzlich Nüsse unter die Füllung gemischt. Dadurch wird das Hefegebäck nicht nur aromatischer, sondern erhält auch eine feine, leicht röstige Note, die ihm eine ganz besondere Tiefe verleiht.
Dieses Familienrezept habe ich über die Zeit leicht angepasst – hin zu einer vollwertigeren Variante mit frisch gemahlenem Vollkornmehl, weniger Industriezucker, ganz ohne dabei den vertrauten Geschmack und die besondere Erinnerung zu verlieren.
Tipps und Tricks rund ums Reindling - Backen
Hier sind einige kurze Tipps und Tricks für das Backen eines Kärntner Reindlings.
Form vorbereiten
Vor dem Backen sollte die Form sorgfältig gebuttert werden, damit sich der Reindling später gut lösen lässt. Anschließend wird sie – anstelle von Mehl – mit Zucker ausgestreut. Für ein intensiveres Aroma kann der Zucker mit etwas Zimt vermischt werden. So entsteht die typische, leicht karamellisierte Kruste des Reindlings.
Teig in die Form füllen
Nach dem Füllen sollte darauf geachtet werden, den Teig nicht zu straff aufzurollen, da er sonst beim Backen aufplatzen kann. Anschließend den Teig vorsichtig in die Form legen und nicht hineindrücken, damit er genügend Raum zum Aufgehen hat.
Reindling stürzen
Den Reindling nach dem Backen etwa 5–10 Minuten abkühlen lassen, bevor er auf ein Gitter gestürzt wird. So erhält die Krume ausreichend Stabilität und das Gebäck bricht beim Stürzen nicht.
Rezeptkategorie Germ- und Topfenteige
Unter der Rezeptkategorie „Germ- und Topfenteige“ findet ihr eine Auswahl an Gebäck, die nicht nur herrlich schmecken, sondern sich auch unkompliziert nachbacken lassen und zuverlässig gelingen. Mit Vollkornmehl und hochwertigen Zutaten entstehen daraus saftige, lockere Klassiker, die Tradition, Natürlichkeit und bewussten Genuss vereinen.
Rosinenbrötchen
Vollkornstriezel
Ruck-Zuck-Osterhasen
Vollkornosterpinze
Bauernladen (2026): Kärntner Reindling. Verfügbar unter: (https://bauernladen.at/artikel/rezepte/rezept-karntner-reindling/) Zugriff: 31.03.2026.
GoodMills Innovation GmbH (2024): Backen zu Ostern. Verfügbar unter: (https://www.mein-mehl.de/mehlblog/backen-zu-ostern) Zugriff: 31.03.2026.
Kärnten Werbung Marketing & Innovationsmanagement GmbH (o. J.): Kärntner Reindling – Rezept & Ostertradition in Kärnten. Verfügbar unter: (https://www.kaernten.at/aktivitaeten/sommer/kultur-kulinarik/kaerntner-reindling-rezept-ostern-in-kaernten/) Zugriff: 31.03.2026.
Teuteberg, Hans Jürgen (2008): Geschichte der Ernährung in Europa. Vom Mittelalter bis heute. Frankfurt am Main: Campus Verlag.
Kommentar hinzufügen
Kommentare